26. März 2019

„Digitalisierung im Mittelstand heißt auch Zusammenführen von Corporate Real Estate und Facility Management“

Ein Jahr Geschäftsführer ARCHIBUS: Interview mit Christian Kaiser

„Die größte Herausforderung für eine erfolgreiche Digitalisierung in Facility Management und Gebäudebetrieb besteht darin, dass in vielen Chefetagen bei mittelständigen Bauherren, Eigentümern oder Mietern die Bedeutung einer digitalen Real Estate Strategie für ein erfolgreiches Kerngeschäft noch nicht hinreichend erkannt ist. Corporate Real Estate und das Facility Management sind häufig noch getrennt. Und so fließen Erkenntnisse aus dem Betrieb nicht zurück in die Planung- und Bauphase – und das große Potenzial einer FM-gerechten Planung wird nicht erschlossen. Dabei stehen Notwendigkeiten, Möglichkeiten, Investitionen und Nutzen der Digitalisierung schon jetzt in einem realistischen und attraktiven Verhältnis.“ Christian Kaiser.

 Lesen Sie hier das ganze Interview:

  „Christian, vor einem Jahr haben Sie die Verantwortung als Geschäftsführer der ARCHIBS übernommen. Vor sechseinhalb Jahren sind Sie als Kommunikationsinformatiker dorthin bzw. in die Bau- und Immobilienbranche gewechselt, mit Schwerpunkt Consulting und IT. Warum eigentlich? Wären Branchen wie Automotiv, Medien oder Handel nicht viel spannender gewesen, gerade in Sachen Digitalisierung?“

Ich war ja bereits im Bereich Automotive und habe dort an Konzepten für Car to Car und Car to Infrastructure geforscht. Und auch im Mediensektor habe ich eine hochinteressante Zeit verbracht, mit einem eigenen erfolgreichen Start-Up, bei dem es um Paid Content im Internet ging. Es war aber eine gute Entscheidung, seinerzeit dem Ruf eines Unternehmens zu folgen, das sich an der Seite eines Weltmarktführers mit IT und Consulting für die Digitalisierung der sehr vielfältigen Prozesswelt von Immobilien und deren technischen Anlagen aufgestellt hat. Im Gegensatz zu Automotiv oder zur Telekommunikationssparte gab es im REAL ESTATE jedoch kaum Standards, geschweige denn standardisierte Prozesse als Voraussetzung für die Digitalisierung. Das erschien mir als fantastische Herausforderung, die mich sehr reizte – und einfach kann schließlich jeder.

„Wer von Digitalisierung im REAL ESTATE spricht, denkt an IoT, KI, BIG Data, Sensorik oder auch an Building Information Modeling (BIM). Spätestens seit Veröffentlichung des „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ durch das BMVI im Herbst 2015 ist BIM ja in aller Munde. Doch ohne Standardisierung ist das damit angestrebte durchgängige digitale Datenmanagement ja eben so wenig denkbar, wie weitere auf die digitale Transformation zielende Technologien. “ 

Als Lohn winken bessere Entscheidungskriterien, geringere Risiken, niedrigere Kosten und zufriedenerer Mitarbeiter.

Es wird ja nie den einen Standard geben, und die Anstrengungen auf nationaler und internationaler Ebene werden ja auch niemals enden, sondern stetig weiterentwickelt. Unsere Erfahrungen mit Digitalisierung und mit BIM aus den zurückliegenden Jahren zeigen ganz eindeutig: Es ist wichtig, dass sich die Unternehmen diesen Themen jetzt weiter nähern. Denn die große Chance zur Standardisierung besteht bereits. Heute arbeiten die meisten Unternehmen in DACH zwar noch mit einem relativ niedrigen Digitalisierungsgrad. Doch die Richtung ist eindeutig und ohne Alternative. Die Verantwortlichen haben dann endlich korrekte, aktuelle und relevante Daten für ihre Entscheidungen. Als Lohn für ihre Anstrengungen winken ihnen also deutlich bessere Entscheidungskriterien und damit geringere Risiken, niedrigere Kosten und auch zufriedenerer Mitarbeiter.“

Zufriedener Mitarbeiter?

„Ja, auch das, und zwar auf vielfältige Weise. Dabei kommt dem Einsatz von Integrated Workplace Management Systems (IWMS) große Bedeutung zu – auch wenn die wenigsten CAFM-Anbieter in Deutschland darüber verfügen. IWMS ist eine Software-Plattform, die Einrichtungen hinsichtlich ihres übergeordneten Zwecks optimiert, und zwar auch mit Blick auf Nachhaltigkeit, Wohlbefinden, Sicherheit und Compliance. IWMS ermöglicht es Unternehmen, Krankenhäusern, Schulen oder Behörden etc … ihre Einrichtungsstrategien zu erstellen, die ihren jeweiligen und besonderen Bedürfnissen entsprechen. Dies kann Alles bedeuten, von der Senkung der Betriebskosten über die Verringerung des Energieverbrauchs eines Gebäudes bis hin zur Gestaltung eines kollaborativeren Arbeitsplatzes oder dem Bau eines neuen Campus. Ohne IWMS sind Bauen, Wartung, Leasing oder Verwalten von Einrichtungen meist getrennt gehalten. Und so werden relevante Daten nicht weitergegeben und die Prozesse sind nicht synchronisiert. Deswegen hat ARCHIBUS CAFM und IWMS integriert.“

„Der zügige Einstieg und Ausbau einer Digitalisierungsstrategie ist also auch in der Bau- und Immobilienwirtschaft nicht nur technisch möglich, sondern auch alternativlos?“

Es ist keine Frage mehr des „Ob“, es geht nur noch um das „Wie und Wann“.

„Die Verantwortlichen in heutigen Organisationen navigieren durch ein sich schnell veränderndes und immer wieder herausforderndes Geschäftsumfeld. Sie müssen ihr Kapital diszipliniert einsetzen, Rahmenbedingungen zur Maximierung des ROI entwickeln und das Immobilienportfolio an die allgemeinen Strategie- und Infrastrukturprioritäten anpassen. Zugleich müssen sie ihre hochqualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter halten und neue gewinnen. Nicht zuletzt nehmen Wettbewerb und Kostendruck stetig zu. Es ist keine Frage mehr des „Ob“, es geht nur noch um das „Wie und Wann“. ARCHIBUS weiß aus einer Fülle großartiger Projekte mit unserer IT und unseren Methoden, wie das geht: Mit unserem Enterprise Information Modeling als Kombination von Enterprise Asset Management, Strategic Financial Analysis und Strategic Space Planning – basierend auf dem aktuellen Stand nationaler und internationaler Standards sowie unseren Consulting-Methoden.

„Für Unternehmen in angelsächsischen, asiatischen oder auch skandinavischen Ländern kann man sich das gut vorstellen, dort sind Immobilienverantwortliche oftmals weiter in Sachen Digitalisierung und Einsatz von BIM – aber gilt das auch für den deutschsprachigen Markt? Und wie transformieren Sie denn diese internationalen Erfahrungen hierher?“

CAFM und IWMS unterscheiden sich ja nicht nach nationalen Grenzen und Märkten. Durch unser gewachsenes globales Netzwerk tauschen wir seit Jahren Informationen über Anforderungen und bereits realisierte Projekte aus. Diese fließen stetig neu in die Aus- und Weiterbildung unserer Consultants sowie die Weiterentwicklung der ARCHIBUS Software ein. Damit haben wir bei den entscheidenden Faktoren für erfolgreiche Digitalisierungsstrategien und -Projekte auf den relevanten Ebenen die entscheidenden Vorteile. Unsere Kunden im deutschsprachigen Markt profitieren natürlich davon. Denn wir können z.B. Fehler vermeiden, die woanders erst noch gemacht werden. Und wir sind einfach schneller – und technologisch wenigstens drei Jahre voraus.

„Diskutiert wird BIM hierzulande aber vor allem noch aus Sicht der Planer. Sollte BIM denn schon heute ein reales Thema auch aus Sicht der Betreiber und FM-Verantwortlichen sein?“

Das größte Nutzenpotenzial der Digitalisierung wie auch von BIM, liegt in einer FM-gerechten Planung.

Ja natürlich. Schließlich wird in DACH größtenteils aus dem Bestand heraus neu- oder umgeplant. Aber auch bei Neubauprojekten gilt: Das größte Nutzenpotenzial der Digitalisierung wie auch von BIM, liegt in einer FM-gerechten Planung. Und die ist längst nicht mehr ein technisches oder methodisches Problem. Wir können die Anforderungen an den späteren Betrieb bereits im Planungsprozess berücksichtigen und integrieren. Eine Reihe von Generalunternehmern nutzen zwar bereits BIM Methoden und Modelle, überführen den digitalen Zwilling dann aber nicht in den Betrieb. Sie und andere tun sich noch schwer, weil sie zwar Errichter, aber meistens nicht der Betreiber sind. Sie wollen nicht die zunächst höheren Kosten tragen, ohne vom späteren finanziellen Vorteil profitieren zu können. Doch wir verfügen über ein Vorgehen, das unsere Kunden in die Lage versetzt, aus jeder Phase im Immobilienlebenszyklus heraus einen kalkulierten Nutzen hinsichtlich einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie zu erzielen.

„Worin sehen Sie dann noch die größte Herausforderung für die Verantwortlichen von Immobilienportfolios, Niederlassungen oder auch Neubauprojekte?“ 

„Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass nicht nur in den international agierenden Konzernen die Bedeutung einer digitalen Real Estate Strategie für ein erfolgreiches Kerngeschäft erkannt und umgesetzt wird. Dort sind beispielsweise Corporate Real Estate und Facility Management nicht getrennt, sondern unter einem Hut zusammenfasst. Erkenntnisse aus dem Betrieb fließen so zurück in die Planung- und Bauphase – Kostenersparnisse und gelöste Probleme aus dem Betrieb werden in der Planung genutzt, um zu lernen und sich weiter zu optimieren. Insbesondere wird es so auch möglich, das große Potenzial einer FM-gerechten Planung zu erschließen. Und eben das muss meines Erachtens noch viel stärker auch in den Chefetagen mittelständiger Bauherren, Eigentümer oder Mieter Einzug halten. Notwendigkeiten, Möglichkeiten, Investitionen und Nutzen stehen schon jetzt in einem realistischen Verhältnis – wenn sie ihre für das Bau- und Immobilienmanagement Verantwortlichen in den Kern ihrer Digitalisierungsstrategien einbinden.“

Das Interview führte Ralf-Stefan Golinski, M.A.

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